Methodik
Flurwert leitet je Flurstück eine Verkehrswert-Indikation aus amtlichen Daten ab — nach dem Grundgedanken des Vergleichswertverfahrens (ImmoWertV): der amtliche Bodenrichtwert der zuständigen Bodenrichtwertzone, korrigiert um die tatsächliche Bodengüte (Ackerzahl) des konkreten Flurstücks. Der gesamte Rechenweg ist unten offengelegt, deterministisch und je Bewertung als Protokoll gespeichert — damit ihn jeder Gutachter Schritt für Schritt nachprüfen kann.
Der Rechenweg auf einen Blick
Modellversion v1.0-vergleichswert. Jede der vier Zeilen entspricht 1:1 einem Schritt im gespeicherten Rechenweg-Protokoll (siehe Abschnitt 8). Dieser Rechenweg gilt für landwirtschaftlicheFlächen; für Bauland und Wald gelten eigene Verfahren (siehe nächster Abschnitt).
Verfahrenswahl nach tatsächlicher Nutzung
Flurwert bestimmt zuerst aus der amtlichen ALKIS-„tatsächlichen Nutzung", was eine Fläche tatsächlich ist, und wählt dann das passende Verfahren. So bekommt Ackerland keinen Baulandpreis und umgekehrt — und nicht marktgängige Flächen (Straße, Gewässer) bekommen gar keinen Wert.
| Tatsächliche Nutzung | Verfahren | Formel |
|---|---|---|
| Landwirtschaft | Vergleichswert × Ackerzahl | BRW × Fläche × Ackerzahl-Korrektur (Abschnitte 1–8) |
| Bauland (Siedlung) | Bauland-Indikation | Bauland-BRW × Fläche |
| Wald | Waldboden-Indikation | Wald-BRW × Fläche (nur Bodenwert, ohne Bestand/Holzvorrat) |
| Verkehr / Gewässer / Sonstige | nicht marktgängig | keine Bewertung |
Ist eine Fläche amtlich falsch oder (noch) nicht klassifiziert, lässt sich die Nutzung — und die Ackerzahl — in der Detailansicht manuell korrigieren; die Korrektur gilt nur für das eigene Portfolio, die amtlichen Daten bleiben unberührt. Die folgenden Abschnitte beschreiben das landwirtschaftliche Verfahren im Detail; Bauland und Wald nutzen den jeweiligen Bodenrichtwert direkt × Fläche (Konfidenz entsprechend konservativer, da ohne Detaillage bzw. ohne Bestandswert).
1 · Datengrundlage
BORIS — Bodenrichtwerte
Amtliche Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse (§196 BauGB), flächendeckend in Bodenrichtwertzonen mit einheitlichem Wert in €/m², je Stichtag. Wir übernehmen landwirtschaftliche Zonen (Acker/Grünland, inkl. Historie) sowie baureifes Land und Waldboden — je nach tatsächlicher Nutzung wird die passende Zone gewählt.
ALKIS — Flurstücke & Bodenschätzung
Amtliche Flurstücksgeometrien (Gemarkung/Flur/Nummer, amtliche Fläche) und die Bodenschätzung (Reichsbodenschätzung) der Landesvermessung: Ackerzahlbzw. Grünlandgrundzahl, Bodenart und Klimastufe — je Flurstück über den repräsentativen Punkt zugeordnet.
Was ist die Ackerzahl? Die Acker-/Grünlandzahl der amtlichen Bodenschätzung bewertet die natürliche Ertragsfähigkeit eines Bodens auf einer Skala von rund 0 bis 100 (100 = bester Boden). Sie ist der etablierte Standard-Indikator für die landwirtschaftliche Bodengüte und damit der sachlich richtige Hebel, um den zonenweiten Bodenrichtwert auf das einzelne Flurstück herunterzubrechen.
2 · Zuordnung Flurstück → Bodenrichtwertzone
Für ein Flurstück wird die einschlägige landwirtschaftliche Bodenrichtwertzone geometrischbestimmt: Der repräsentative Punkt der Flurstücksfläche (garantiert innerhalb des Polygons) muss in der Zone liegen. Alle Geometrien werden im amtlichen Bezugssystem EPSG:25832 (ETRS89/UTM 32N) geführt.
Nutzung „Acker" bevorzugt, dann neuester Stichtag.
Liegt keine landwirtschaftliche Zone am Flurstück (z. B. unbeschätzte Region), wird keineBewertung erzwungen — das Flurstück wird transparent als „keine Zone" gekennzeichnet.
3 · Referenz-Ackerzahl der Zone
Der Bodenrichtwert einer Zone gilt für eine typische Bodengüte dieser Zone. Um das einzelne Flurstück relativ dazu zu bewerten, brauchen wir diese Referenz-Ackerzahl. Sie wird in dieser Reihenfolge bestimmt:
- Amtliche Referenz (Vorrang): Wo der Gutachterausschuss die Bezugs-Ackerzahl der Zone maschinenlesbar mitliefert, wird genau dieser Wert verwendet.
- Daten-Median (Fallback): Andernfalls bilden wir den Median der ALKIS-Ackerzahlen aller Flurstücke innerhalb der Zone (statistischer 50-%-Wert). Das verankert die Referenz in den tatsächlich gemessenen Bodengüten der Zone statt in einer Annahme; die Stichprobengröße fließt in die Konfidenz ein.
Der Median ist robust gegen Ausreißer (anders als der Mittelwert) und damit eine konservative, gut begründbare Referenz.
4 · Rechenweg im Detail
Basis-Vergleichswert
Ackerzahl-Korrekturfaktor
Verkehrswert-Indikation
Beleihungswert-Indikation
5 · Konfidenz
Jede Bewertung trägt eine deterministische Konfidenz zwischen 0,30 und 0,95, die offenlegt, wie gut die Eingangsdaten die Indikation stützen. Sie wird additiv aus festen Beiträgen gebildet:
| Komponente | Beitrag |
|---|---|
| Grundwert (Bodenrichtwert immer vorhanden) | +0,55 |
| Tatsächliche Ackerzahl des Flurstücks bekannt | +0,25 |
| Referenz-Ackerzahl der Zone bestimmbar | +0,10 |
| Belastbare Stichprobe (≥ 50 Flurstücke hinter dem Median) | +0,05 |
| Korrekturfaktor wurde geklemmt (Bodengüte weit vom Zonentyp) | −0,15 |
| Ergebnis (begrenzt auf 0,30 … 0,95) | Σ |
6 · Beispielrechnung (echtes Flurstück)
Flurstück in Dinklage, Flur 29, Nr. 71/7 — 85,59 ha, Ackerzahl 37, Zone „Dinklage" (Bodenrichtwert 13,00 €/m², Referenz-Ackerzahl = Zonen-Median 34, Stichprobe 1.781 Flurstücke):
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Basis-Vergleichswert | 13,00 €/m² × 855.900 m² | 11.126.700 € |
| Korrekturfaktor | 37 ÷ 34 = 1,088 (nicht geklemmt) | × 1,088 |
| Verkehrswert-Indikation | 11.126.700 € × 1,088 | 12.108.468 € |
| Beleihungswert-Indikation | 12.108.468 € × 0,90 | 10.897.621 € |
| je m² · Konfidenz | 12.108.468 € ÷ 855.900 m² | 14,15 €/m² · 0,95 |
7 · Annahmen & Grenzen
- Die Ackerzahl-Korrektur ist linear und auf ±50 % begrenzt — eine bewusst einfache, transparente Näherung, keine amtliche Umrechnungstabelle des Gutachterausschusses.
- Die Bewertung berücksichtigt keine objektspezifischen Zu-/Abschläge für Zuschnitt, Erschließung, Drainage, Pachtbindung, Jagd, Aufwuchs oder Bauerwartung.
- Ergebnisgüte hängt an der Aktualität und Abdeckung der amtlichen Daten (siehe Daten & Abdeckung). Ohne Bodenschätzung wird neutral (Faktor 1,0) gerechnet.
- Es ist ein Bodenwert für landwirtschaftliche Nutzung — Gebäude/Anlagen sind nicht enthalten.
8 · Nachvollziehbarkeit & Versionierung
- Vollständiges Rechenweg-Protokoll: Jede Bewertung speichert alle Eingangswerte (BRW, Fläche, Ist-/Referenz-Ackerzahl, Quelle, Stichprobe), jeden Zwischenschritt und das Ergebnis als strukturiertes JSON.
- Unveränderlich & versioniert: Bewertungen werden mit ihrer Modellversion (
v1.0-vergleichswert) abgelegt und nicht überschrieben — ältere Stände bleiben prüfbar. - Deterministisch: Gleiche Eingaben ergeben exakt das gleiche Ergebnis (reine Rechenfunktion, durch automatische Tests abgesichert) — beliebig reproduzierbar.
- Mandantengetrennt: Bewertungen und Portfolios sind je Organisation strikt isoliert (Row-Level-Security).
Datengrundlage und Lizenzen siehe Daten & Abdeckung. Die ausgewiesenen Werte sind Bewertungs-Indikationen nach der hier beschriebenen Methodik (Modell v1.0-vergleichswert) und kein Ersatz für ein Verkehrswertgutachten nach §194 BauGB.